Soziales · · 5 Minuten Lesezeit
15.697 Kilo: die Bilanz des Erdäpfel-Weihnachtswunders
Die erste Runde ist verteilt. Was gut funktioniert hat, was wir unterschätzt haben und warum die Aktion bleibt.
Im Oktober 2025 haben wir eine Aktion gestartet, von der wir nicht wussten, ob sie funktioniert: ein Euro Spende, ein Kilogramm Bio-Erdäpfel für soziale Einrichtungen. Das Ziel waren 15.000 Euro. Am Ende standen 15.697 Euro von 115 Spenderinnen und Spendern.
Die Verteilung über Caritas, Hilfswerk und Tafel Österreich ist im Jänner angelaufen und inzwischen abgeschlossen. Zeit für eine ehrliche Bilanz.
Warum es überhaupt Erdäpfel im Überschuss gab
2025 war ein außergewöhnlich gutes Erntejahr. Die Witterung hat gepasst, es gab keine langen Dürreperioden, und der Regen ist gekommen, wenn er kommen musste. Dazu ist europaweit die Anbaufläche gewachsen. Das Ergebnis: mehr Ware, als der Markt zu vernünftigen Preisen aufnehmen konnte.
Für einen Betrieb unserer Größe ist das keine Katastrophe, aber eine unangenehme Rechnung. Ware, die unter den Erzeugungskosten weggeht, ist wirtschaftlich schlechter als Ware, die verschenkt und gefördert wird. Genau an dieser Stelle setzt das Modell an.
Was gut funktioniert hat
- Die Rechnung. Ein Euro, ein Kilo. Das versteht jeder in drei Sekunden, ohne Prozentangaben und ohne Verwaltungskostenquote.
- Die Partner. Caritas, Hilfswerk und Tafel Österreich haben die Strukturen, die wir nicht haben. Wir liefern auf Paletten, sie wissen, wo es gebraucht wird.
- Die Sichtbarkeit. Über die Aktion sind wir zu Gesprächen gekommen, die sonst nicht stattgefunden hätten — auch mit Küchen, die jetzt regulär bei uns kaufen.
Was wir unterschätzt haben
Die Logistik. Rein rechnerisch könnten wir bis zu 50 Tonnen für soziale Zwecke bereitstellen. Die Grenze ist nicht das Feld, sondern die Frage, wer die Ware abholt, wo sie zwischengelagert wird und wie schnell sie ausgegeben werden kann. Frische Erdäpfel sind kein Konservendosenprojekt. Sie müssen innerhalb weniger Wochen bei den Leuten sein.
Und: Abpacken kostet Zeit. Eine Palette lose Ware nützt einer Ausgabestelle wenig, wenn dort niemand Waagen und Sackerl hat. Beim nächsten Mal packen wir vorab in Zehn-Kilo-Einheiten ab, das haben wir im ersten Durchgang lernen müssen.
Die Grenze ist nicht das Feld. Die Grenze ist die Logistik.
Wie es weitergeht
Die Aktion bleibt und wird Teil des Geschäftsmodells. Privatpersonen und Unternehmen können laufend Patenschaften übernehmen, nicht nur zu Weihnachten. Das macht die Planung für alle Beteiligten einfacher, weil wir wissen, welche Menge wir zurückhalten müssen.
Alle Details dazu stehen auf der Seite zum Erdäpfel-Weihnachtswunder. Wer als Betrieb einsteigen will: einfach anschreiben.
Geschrieben von Sascha Böhm · BioBauernhof Böhm


